Stolperstein Ravensteynstraße 10

Veröffentlicht am 08.05.2018 in Kommunales

Die Christlich-Jüdische Gesellschaft hat einen Stolperstein in Pfaffendorf verlegt.Wider dem Vergessen und Mahnung gegen rechte Hetzer! 

Eine Erinnerungskultur ist wichtig. Rechte Parteien wollen uns Glauben machen, dass ein Erinnern nicht mehr nötig ist. Wir vom Ortsverein sind entschieden dagegen. Nur wer die Vergangenheit kennt kann Zukunft gestalten. Das Grauen war auch bei uns im Dorf. Es traf Freunde, Nachbarn und nicht selten einen selbst. 

DIE GESCHICHTE DER DEUTSCHEN FAMILIE MORGENTHAU, KOBLENZ und ihr Schicksal in der Nazi-Zeit …

Otto Morgenthau, geb. 23.2.1879, heiratete Mathilde Courant, geb. 16.11.1869 (in St.-Johann/Mayen , Das Ehepaar betrieb in Koblenz, Eltzerhof-Straße 12 eine Metzgerei. Am 6.8.1905 wurde ihr Sohn A l f r e d geboren.

Otto Morgenthau diente in der deutschen Armee in einer Flakbatterie an der Westfront im WK I und erhielt für Tapferkeit mehrere Auszeichnungen u.a. das „Eiserne Kreuz“. Kurz vor Kriegsende, am 7.6.1918, fiel der Soldat im Kampf bei Verdun. Er war gerade dabei, von der Verleihung der Hessischen Tapferkeitsmedaille nach Hause zu schreiben … Seine Frau M a t h i l d e arbeitete währenddessen als Sanitäts-Helferin in Kriegslazaretten.

Nach dem Tod ihres Mannes 1918 gab die Witwe das Geschäft auf und zog mit ihrem kleinen Sohn in ihr Eigentum Ravensteynstraße 10 . Sohn Alfred Morgenthau wurde später Kaufmann, zuletzt war er Abteilungsleiter beim Koblenzer Kaufhaus Tietz, Löhrstraße. Aus der Ehe mit Veronika, geb. Holländer, stammt die Tochter Ingrid. (verh. Winderbaum)

Nach der Arisierung des Kaufhauses Leonhard Tietz - jüdische Familie - (ab 1933 = Kaufhof !) verlor auch Alfred M. seine Anstellung dort.

Ab 1933 wurden in Pfaffendorf wie überall im Großdeutschen Reich, die Bürger jüdischen Glaubens immer mehr diskriminiert und ausgegrenzt. Die Zeitungen druckten sog. Judenlisten mit den Namen und Adressen aller Koblenzer Geschäfte mit jüdischen oder halbjüdischen Inhabern mit der Aufforderung nicht mehr bei Juden zu kaufen. Zudem standen vor den Geschäften zur Abschreckung uniformierte SA-Leute . Jüdische Kinder wurden aus den Gymnasien, später aus allen Schulen vertrieben. Wer nicht ins Ausland emigrieren konnte, hat man immer mehr schikaniert, der „Judenstern“ musste stets getragen werden, - Fahrräder, Radios, Fotoapparate, Uhren, Schmuck, warme Kleider, usw. mussten den Nazi-Kontrolleuren abgegeben werden. Arbeitsfähige Juden wurden noch zur Zwangsarbeit eingesetzt. Doch nach 20.00 Uhr durfte kein jüdischer Bürger mehr auf die Straße … Etliche Juden in Koblenz begingen nun Selbstmord … Jetzt wurden die verbliebenen Bürger jüdischen Glaubens in einigen Koblenzer Wohnhäusern engstens wohnend zusammengezwungen bis zu ihrer Verschleppung in die nationalsozialistischen Konzentrationslager zur sog. „Endlösung“…

Sohn A l f r e d M o r g e n t h a u wartete zwischenzeitlich bei seinen Schwiegereltern in Düren auf Genehmigung seines schon lange gestellten Ausreiseantrages. Doch nach dem Reichspogromnacht (8/9. Nov. 1938) wurde er (als Jude) verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht mit allen Repressalien... Nach 5 Wochen kam aber dann doch noch die Genehmigung und er wurde entlassen mit der Auflage im März 1939 das Land zu verlassen. Am 13.3.1939 kamen die Morgenthaus in USA an und fanden Obdach bei Verwandten, die schon früher dorthin emigriert waren. Sie gründeten später ein kleines Herrenartikelgeschäft in New York.

Leider war die Witwe M a t h i l d e M o r g e n t h a u noch in Koblenz verblieben, wo im stattlichen Haus Ravensteynstraße 10 zusätzlich noch die jüdischen Eheleute Paul (geb. 29.8.1886) und Berta W a l l e r (geb. 25.4.1878), sowie die jüdische Witwe Maria A b r a m o w i t z (geb. 15.3.1880) eingewiesen worden waren. Am 22.3.1942 holten Nazi-Schergen die Eheleute Waller und die Wwe. Abramowitz ab zur Deportation nach Itzbicka bei Lublin, dann gings weiter zur Ermordung im KZ Sobibor.

Die Hauseigentümerin M. Morgenthau hatte noch „Gnadenfrist“ bis zum 27.7.1942, zur Deportation nach Theresienstadt , danach brachte man sie zur Ermordung ins Konzentrationslager Treblinka. Der Heldentod ihres Mannes Otto Morgenthau an der Front vor Verdun war für Deutschland null und nichtig geworden !.

Am 8. Mai 2018 wird nun zur Erinnerung an das KZ-Opfer MATHILDE MORGENTHAU 1 STOLPERSTEIN vor dem Anwesen Ravensteynstraße 10 verlegt zur Mahnung für nachkommende Generationen. Die Stolpersteinverlegung für OTTO MORGENTHAU, seine Frau und seine Tochter wird später vor deren langjähriger Wohnung Koblenz, Emil-Schüller Str. 35 erfolgen.

Verfasst von Peter Wings

 
 

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